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Dritter Schritt | In Gemeinschaften verbinden

Was gibt es zu essen? Italienisch, chinesisch oder griechisch?

In unserer äusserst individualistischen und konsumorientierten Kultur dreht sich alles um das ‚Ich‘. Meine Meinung, meine Essens- oder Kleidungsvorlieben, mein Musikstil, mein Shampoo für meinen Haartyp, meine persönliche Entwicklung… „Weil ich es mir wert bin!“ Facebook und Google analysieren mich ständig, um sicherzustellen, dass mir Produkte angeboten werden, die mein Befinden und meine Persönlichkeit widerspiegeln.

Kein Wunder also, wenn auch der Glaube oft in der ersten Person Singular konjugiert wird. Ich gebe mein persönliches Zeugnis, erzähle von meiner Entscheidung Jesus zu folgen, meiner Wiedergeburt, meinem Glauben an meinen Retter, meiner Taufe, meiner persönlichen Sichtweise von Bibeltexten, meiner Gemeinde und meinem Pastor. Darüber hinaus bewerte ich meine Gemeinde entsprechend meiner persönlichen Entwicklung. Wenn ich nicht die geistliche Nahrung bekomme, die mich anspricht, wenn die Musik mich nicht mehr bewegt, wenn ich nicht ausreichend umsorgt oder ermutigt werde, fühle ich mich von Gott in eine andere Gemeinde geführt, die besser auf meine Bedürfnisse abgestimmt ist.

So machen wir die Gemeinde zu einem Ort des Konsums, der auf unsere persönlichen Vorlieben eingeht, ein bisschen so wie ein Restaurant versucht, das versucht, den Geschmack seiner Gäste zu treffen. Das Restaurant spielt das Spiel mit, weil es seine Stammkunden nicht verlieren und gleichzeitig neue dazu gewinnen will.

Wenn man sich jedoch eine Versammlung von Jüngern Christi in integrierten Gemeinschaften anschaut – den dritten Teil unserer VIANOVA-Strategie also, entdeckt man einen wesentlichen Widerspruch. In unserem Land wird es nämlich keine Bewegung des Evangeliums ohne Gemeinschaften geben.

Auf der einen Seite bietet die Bibel ähnlich wie die Anpassungsstrategie des verbraucherorientierten Restaurants die partizipative Integration in eine Familie an.

Auf der einen Seite bietet die Bibel ähnlich wie die Anpassungsstrategie des verbraucherorientierten Restaurants die partizipative Integration in eine Familie an. „Die Gemeinde des lebendigen Gottes“ wird niemals als eine Institution oder ein Handelsunternehmen vorgestellt, sondern als „das Haus Gottes“ (1). Und das hat Konsequenzen auf die inneren und äußeren Beziehungen, sowie auf den Prozess der Integration.

Die integrierte Gemeinschaft der Jünger Jesu, d.h. der Ausdruck der Gemeinde des lebendigen Gottes an einem Ort, ist die Antithese des individualistischen Konsumverhaltens. In dieser Familie herrscht das „wir“ über dem „ich“. Ich bin auf den Vorteil des anderen bedacht (2). „Meine Rettung“ bedeutet eben weit mehr als nur eine persönliche Adoption durch meinen himmlischen Vater: Ich werde in eine Familie eingegliedert, mit „einem Gott und Vater von uns allen“ (3). So sind die Erlösung, die Reise mit Gott und die Verwandlung in das Bild Jesu eher das Ergebnis eines kollektiven Prozesses. Die Gemeinde ist keine Institution, die mir zu dienen hat; die Gemeinde, das sind wir im Dienst füreinander.

Das Haus Gottes wird der bevorzugte Ort für sowohl die persönliche, als auch die kollektive Erfüllung, von der Begrüßung eines neuen „Gotteskinds“ bis zum Wachstum jedes einzelnen hin zum erwachsenen Christen nach dem Vorbild unseres großen Bruders Jesus. Die Familie Gottes ist auch der Ort, wo die „verlorenen Söhne“ die Liebe des Vaters in Aktion erfahren können. Das Evangelium muss (wieder) eine gute Familiennachricht werden.

Auf der anderen Seite wenn die Gemeinde als Familie nicht dazu bestimmt ist, den Gästen zu gefallen, sondern Kinder zu integrieren, wird sie ganz von selbst ihre kulturelle Identität widerspiegeln.

Auf der anderen Seite – und genau da liegt der Widerspruch – wenn die Gemeinde als Familie nicht dazu bestimmt ist, den Gästen zu gefallen, sondern Kinder zu integrieren, wird sie ganz von selbst ihre kulturelle Identität widerspiegeln. Jede Familie ist anders. Jede Familie unterscheidet sich in ihren Gewohnheiten, ihrer Geschichte, ihren Traditionen, aber auch wie sie in ihrem Kontext verwurzelt ist. Die Art und Weise, wie die Liebe unter den Geschwistern ausgedrückt und gelebt wird, wird durch den kulturellen Kontext bestimmt. Liebe innerhalb einer Familie wird in germanischen, lateinischen oder asiatischen Kulturen unterschiedlich ausgedrückt. Daher wird sich auch die Familie Gottes – je nach geographischer Lage oder gemeinsamen Interessen (4) – ganz individuell dem kulturellen Code ihres Kontextes gemäss integrieren. So wird die integrierte Gemeinschaft der Jünger Jesu die Authentizität ihrer Beziehung zum Vater und zu ihrem Kontext zeigen.

Das ist der dritte Schritt der strategischen Bewegung von VIANOVA. Erst das Evangelium in der eigenen Umgebung widerspiegeln. Dann mit Menschen auf die Reise gehen und Jünger machen. Und schliesslich als ganz natürlicher nächster Schritt diese Jünger in integrierten Gemeinschaften versammeln. Als Antwort auf den vorherrschenden konsumorientierten Individualismus wollen wir im Herzen unserer Kultur die Gegenseitigkeit der Familie Gottes leben, als Vorgeschmack auf das kommende himmlische Königreich.

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(1) 1 Tim. 3,15
(2) 1 Kor 10,24
(3) Ep. 4,6
(4) VIANOVA nennt „Stammgemeinschaft“ eine Gemeinschaft, die sich um ein gemeinsames Interesse, eine Leidenschaft oder eine gemeinsame Lebenssituation versammelt (z.B.: Gemeinsschaften von Motorrädern, Studenten, Rentnern, Geschäftsmännern oder -frauen,…).

Durch :
Eric Zander

Direktor Strategie