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Kolumne Edith – Juni 2020

Lockdown und verstärkte Mutterschaft

Eunice Parodi,
VIANOVA Öffentlichkeitsarbeit

Ich schloss mich keiner Freiwilligengruppe in meiner Stadt an, ging nicht für meine älteren Nachbarn einkaufen und nähte Mundmasken nur für die eigene Familie. Ich schaute keine Online-Gottesdienste an, las keine geistlichen Bücher, und belegte keinen theologischen Fernkurs. In gewisser Weise betete ich viel… für meine Charakterfehler und Gottes Leitung in dieser neuen Normalität.

Ich unterrichtete drei Kinder im Alter von 3 bis 7 Jahren zu Hause, während ich einen abgelenkten Blick auf unser Baby mit 18 Monaten warf, das das Leben gerade entdeckte. So wurde ich zur Musiklehrerin, Sporttrainerin, Erfinderin von Schatzsuchern. Mein Mann und ich arbeiteten zusammen, um die Schulfächer mit einer anderen Herangehensweise zu unterrichten. Die Kinder haben so viele Basteleien gemacht, dass wir nicht mehr wissen, wo wir sie hinstellen sollen. Wir schrieben an unsere Familienmitglieder, an einige der Mütter in der Schule, an das Lehrerteam – per SMS, E-Mail und sogar per Post!

Es gab gute und schlechte Tage. Gute, als wir alle zusammen Blumen pflanzten und Hütten bauten, und weniger gute, als ich mir einen größeren Garten für unsere vier Kinder wünschte, oder zumindest einen Rasen, der weniger beschädigt wäre. Es gab Tage, in denen ich viel gearbeitet habe, aber auch zahlreiche Tage, in denen es mir nicht gelang, während meiner Home Office Nachmittage pro aktiv zu sein, und deshalb fühlte ich mich schuldig… oder habe die anderen beschuldigt. Es gab Momente, wenn ich selbst Musik spielte, oder Musik hörte, die mir das Gefühl gaben, alles überwinden zu können. Aber es gab auch Tage, an denen die Emotionen wirkten wie ein Jo-Jo: ich weinte, ich lachte, ich schrie, ich teilte einen freundlichen Blick aus, ich bestrafte, ich liebkoste, oder ich schloss mich in eineisiges Schweigen ein.

Die Bibel war immer zur Hand, die virtuellen Treffen unserer Gemeinde haben fast täglich stattgefunden. Während dieser Zeiten des Austauschs und des Gebets war mein Geist manchmal anderswo oder niedergeschlagen, aber das ist auch „Gemeinschaft“. Von Brüdern und Schwestern umgeben sein, die uns Gutes tun wollen, auch wenn wir schweigen. Mit den Frauen meiner 3D-Gruppe sind wir geistlich gewachsen, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass ich nie wieder emotionale Stabilität finden würde.

Heutzutage kann niemand die Folgen der COVID-19-Pandemie für unsere Gesellschaft vorhersagen. Ich weiß aber, dass es mich in einen Prozess der Charakterumwandlung gestürzt hat, den ich seit einigen Monaten aufgeschoben hatte. Ich möchte an das Versprechen Gottes glauben, der den Menschen geschaffen hat und durch und durch kennt: Er wird mir nicht nur alles geben, was ich in dieser langen Metamorphose brauche, sondern er wird noch mehr hinzufügen, damit ich eine Frau werde, die Gutes um mich herum tut (2. Korinther 9,8).