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Zweite Etappe | Jüngerschaft

Zweite Etappe | Jüngerschaft

Das Reich Gottes kann man mit einer Fussballmannschaft vergleichen. Jeder spielt auf der ihm zugewiesenem Position und folgt genau den Anweisungen des Trainers. So kann die Mannschaft gewinnen und verhilft sie dem Verein zu neuer Ehre. Der Erfolg hängt von zwei Schüsselfaktoren ab, die die gesamte Strategie des Trainers zusammenfassen: auf welcher Position man steht und wie man sich ohne Ball bewegt. Dazu kommt die Fähigkeit, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen, wenn man im Ballbesitz ist.

So könnte man auch die Strategie Jesu, unseres Trainer, zusammenfassen: Er hat seine (12-köpfige) Mannschaft auf das Spielfeld seiner Zeit geführt und ihnen damit ein Vorbild hinterlassen. Von diesem Vorbild können wir, seine Mannschaft des 21. Jahrhunderts, heute noch lernen.

Wie viele Mannschaftssportarten ist Fussball hauptsächlich ein Spiel, bei dem es darauf ankommt, wie man steht bzw. den Ball abgibt und, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, ein Tor schiesst. Es ist immer lustig und fast ein bisschen lächerlich, Kinder dabei zu beobachten, wie sie alle dem Ball hinterherrennen mit dem einen Ziel: ein Tor zu schiessen.

Wenn unser Trainer uns dazu aufruft, „alle Menschen, zu Jüngern machen“, besteht die Gefahr, dass wir uns nur darauf fixieren, Leute zu bekehren und die Zahl der Gemeindemitglieder zu erhöhen. Dann laufen wir sozusagen alle hinter dem Ball her, um keine Gelegenheit zu verpassen ein Tor zu schiessen, egal wo wir uns gerade auf dem Feld befinden… Alle Gelegenheiten sind schliesslich gut, oder?

Bei Jesu Befehl (Matth. 28; 19) an seine Jünger handelt es sich jedoch nicht um eine einmalige Aktion, sondern um einen Prozess. Einige Bibelübersetzungen führen uns in die Irre mit dem Wortlaut: „Gehet hin, um Jünger zu machen.“ Das Gebot Jesu spiegelt vielmehr einen Prozess, einen Lebensweg wider. Wörtlich beginnt er mit „gehend“ oder sogar „lebend“. Darüber hinaus ist das Wort „Jünger“ im Urtext auch nicht der Satzgegenstand (wie „zu Jüngern machen“), sondern die Handlung selbst (buchstäblich „jüngern“… was man nur schwer übersetzen kann). Es handelt sich also eher um einen kontinuierlichen Prozess des ‚Machens von Jüngern‘, die Jesus immer ähnlicher werden. Dieser Vorgang gewinnt an Dynamik mit dem „Coming-out“, der Taufe und dem Folgen der Anweisungen des Trainers.

Aber kommen wir zurück zu der Strategie, die uns zu diesem ultimativen Ziel führt: gut aufgestellt sein und die Gelegenheit beim Schopf ergreifen. Wenn wir Jesus genau beobachten, sehen wir, dass seine Position beeindruckend war. Er folgte immer den Anweisungen seines Trainers, seines Vaters im Himmel. „Das Wort wurde Mensch und lebte (buchstäblich „er schlug sein Zelt auf“) unter uns.“(1) Er war „in allem ein Mensch wie wir“(2), er wurde „ein Mensch von Fleisch und Blut“(3), er nahm seinen Platz im Spiel ein.

Sein Spielstil war niemals statisch. „Laufendes Wort“ würde ihn vielleicht am besten charakterisieren, er spielte ein aktives Spiel, war ständig in Bewegung, „laufendes Wort“ im engeren und auch im übertragenen Sinne. In der Statistik der Feldspieler berechnet man die Anzahl der Kilometer, die jeder im Laufe eines Spiels zurücklegt. Jesus war ein Meister auf diesem Gebiet… Wie viele Kilometer hat er nicht zurückgelegt! Zusammen mit seinen Jüngern oder mit den Menschenmassen, die ihm folgten durch Städte und Dörfer, von Galiläa nach Judäa und zurück, auch durch Samaria und auf heidnischem Boden; nach der Auferstehung nach Emmaüs, zum Seeufer und auf den Berg zur Himmelfahrt. Nur selten war er allein unterwegs, immer gemeinsam mit denjenigen, die ihm folgen wollten. Im Neuen Testament ist „laufen“ auch ein Synonym für „sich benehmen“, also unser Verhalten gegenüber unseren Zeitgenossen. Und Jesus hat das Leben wahrhaftig gelebt. Er erlebte alle Aspekte eines Menschenlebens, jedoch selten allein, sondern mit seiner Familie, seinen Freunden, seinen Jüngern, Neugierigen, der Menschenmenge… Er hat gegessen, getrunken, gefeiert, geweint, gearbeitet, sich ausgeruht, gedient, geheilt, geholfen… Seinem Unterwegs sein fügte Jesus jedoch stets das Wort hinzu, so wie die Situation es erforderte. Er hat ermutigt, korrigiert, erklärt, unterrichtet, verkündet, gedrängt…

Er ist unser Vorbild im Spiel. Das ist die Strategie für uns alle und von VIANOVA.

Zunächst die Schlüsselposition. Das ist der erste Schritt, den wir im letzten RALPH erklärt haben: Jesus in der Welt widerspiegeln, dort, wo der Trainer uns hinstellt. Wie Salz, das ausgestreut wird, wie eine Lampe auf ihrem Leuchter.

Darüber hinaus sind wir gerufen, Menschen in der Welt zu Jüngern zu machen, jeder in seinem besonderen Kontext. Nach dem Beispiel Jesu entwickeln wir ein aktives Spiel, ein laufendes Wort unter unseren Zeitgenossen, die Jesus noch nicht kennen, gemeinsam mit ihnen, an ihrer Seite. Die Schlachter Übersetzung sagt: „Wandelt in Weisheit denen gegenüber, die ausserhalb sind, und kauft die Zeit aus!“(4) und auch „Seht nun darauf, wie ihr mit Sorgfalt wandelt… und kauft die Zeit aus.“(5) Unsere Rolle besteht darin zu wandeln, an ihrer Seite zu leben. Unser Trainer stellt uns strategisch so auf, dass sich auf dem Weg Jesu Gelegenheiten bieten im richtigen Moment(6) von ihm zu sprechen. Am Kreuz wurden wir von unseren Sünden erlöst und werden nun durch einen neuen Wandel geleitet, durch die Kraft der Auferstehung, so dass wir in der Nachfolge Jesu „in einem neuen Leben wandeln“(7).

Der erste Schritt der richtigen Stellung, nämlich Jesus in der Welt widerzuspiegeln, ist zwar wesentlich, der zweite darf jedoch nicht ausbleiben: Menschen in der Welt zu Jüngern Jesu machen. Das ist unsere Berufung, in Teamarbeit. Möchten Sie uns dabei helfen?

________________
(1) Joh 1,14
(2) Phil 2,7
(3) Hebr 2,14
(4) Kol 4,5
(5) Eph 5,15-16
(6) Kol 4,6
(7) Röm 6,4

Autor:
Eric Zander
Direktor für die Strategie